Revision 733: Konferenz ist, was zwischen den Talks passiert. Mit Golo Roden.
Wir sprechen mit Golo Roden, Gründer von The Native Web (The Native Web auf YouTube), diesmal nicht über Node.js, Event Sourcing oder Domain-Driven Design, sondern über Konferenzen. Golo war bereits in den Revisionen 160, 314 und 456 bei uns zu Gast und bringt inzwischen auch reichlich Erfahrung als Konferenzveranstalter und Speaker mit.
Anlass für unser Gespräch ist Golos Heise-Artikel „Die beste Konferenz meines Lebens und was sie anders gemacht hat“ über den IT Business Summit. Wir überlegen gemeinsam, was eine Konferenz zu einem besonderen Erlebnis macht und warum dafür nicht nur gute Vorträge, sondern vor allem viele bewusst gestaltete Details entscheidend sind.
Shownotes
- [00:01:06] Was macht eine richtig gute Konferenz aus?
Golo erzählt zunächst von seinem Weg als Entwickler, Berater und Konferenzveranstalter. Mit The Native Web war er an der Entstehung der enterJS beteiligt und veranstaltet inzwischen mit der tech:lounge Live! eine bewusst kleine Konferenz mit etwa 60 bis 80 Personen. Statt ein möglichst breites Programm über einen Call for Papers zusammenzustellen, wird dort zunächst ein Thema gewählt und anschließend überlegt, welche Vorträge in welcher Reihenfolge einen sinnvollen roten Faden ergeben. Danach werden passende Speaker gesucht. Wir sprechen darüber, warum Konferenzen mehr bieten müssen als Informationen, die sich ebenso gut in Videos vermitteln lassen, und warum insbesondere kleinere Veranstaltungen gute Voraussetzungen dafür bieten, Begegnungen und gemeinsame Erlebnisse zu schaffen.
Am Beispiel des IT Business Summit beschreibt Golo, wie sich viele kleine Entscheidungen zu einem besonderen Gesamterlebnis addieren können. Das beginnt mit einem gemeinsamen Abendessen für Speaker und Teilnehmende, einer bewusst gewählten Location und einer Sitzordnung, bei der Menschen gezielt miteinander in Kontakt gebracht werden. Am nächsten Morgen gibt es dadurch bereits bekannte Gesichter und erste Anknüpfungspunkte. Auch das Programm wird inszeniert: Eine interaktive Eröffnung bringt die Teilnehmenden miteinander ins Gespräch, eine gut vorbereitete Moderation führt durch den Tag und Speaker werden hinter der Bühne vorbereitet, statt mit Notebook und Kabeln vor dem Publikum auf ihren Auftritt zu warten. Technik, Moderation und Ablauf greifen dabei so ineinander, dass sich sowohl Vortragende als auch Publikum wertgeschätzt fühlen. Selbst das typische Tief nach der Mittagspause wird bewusst durchbrochen.
Wir kommen immer wieder auf denselben Gedanken zurück: Eine gute Konferenz überlässt Gemeinschaft und Atmosphäre nicht einfach dem Zufall. Veranstalter können Situationen schaffen, in denen Menschen leichter miteinander ins Gespräch kommen, Speaker und Publikum nicht voneinander separieren und Details wie Location, Essen, Pausen oder Technik ebenso ernst nehmen wie das Vortragsprogramm. Bei der tech:lounge Live! gehört dazu beispielsweise bewusst hochwertiges, komplett veganes Catering. Wir vergleichen diese Erfahrungen mit anderen kleineren Veranstaltungen und sprechen über die besondere Atmosphäre, die etwa die SmashingConfs, die beyond tellerrand oder unsere eigene Fronteers Dark Mode schaffen können. Gerade bei überschaubaren Teilnehmerzahlen lässt sich vieles persönlicher gestalten und es wird möglich, dass aus einzelnen Details am Ende genau jene schwer greifbare „Magie“ entsteht, wegen der uns eine Konferenz noch Jahre später in Erinnerung bleibt.
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