In dieser Folge sprechen wir mit Daniel Fau (CEO der TYPO3 GmbH) über den aktuellen Stand des Government Site Builder (GSB).

Nachdem wir zuletzt vor allem über fehlende Ansprechpartner, 404-Links und Kommunikationshürden gestolpert sind, wollten wir genauer verstehen, wie GSB 11 technisch und organisatorisch aufgestellt ist.

[00:01:09] GSB 11: Standardisiertes TYPO3-CMS für die öffentliche Verwaltung
Der Government Site Builder (GSB) existiert seit 2003 und wurde ursprünglich vom Bundesverwaltungsamt (BVA) in Zusammenarbeit mit Materna entwickelt. Später übernahm die „Bundesstelle für Informationstechnik“ (BIT) Betrieb und Hosting, bevor diese Aufgaben 2016 im ITZBund gebündelt wurden. Mit GSB 11 erfolgt nun der strategische Wechsel auf TYPO3 als technische Basis.

Frühere Versuche wie GSB 10 setzten zwar auf Open-Source-Komponenten, blieben aber ohne echte Community-Anbindung. GSB 11 wird dagegen explizit als standardisiertes CMS auf TYPO3-Basis entwickelt – mit Fokus auf Sicherheit, Barrierefreiheit, Wartbarkeit und Automatisierung. Daniel verweist in diesem Zusammenhang auch auf Marktdaten wie den CMS Census, der TYPO3 insbesondere im Public-Sector-Umfeld stark positioniert.

Technisch liegt die Distribution auf OpenCoDE, der Open-Source-Plattform der öffentlichen Verwaltung. Das Projekt ist über die zugehörige GitLab-Instanz einsehbar; dort finden sich Distribution, Extensions sowie – seit 2025 – auch ein öffentlich verfügbares Default-Frontend. Releases erfolgen in regelmäßigen Zyklen, während die Roadmap transparent im Projekt hinterlegt ist.

Organisatorisch wurde GSB 11 in drei Losen ausgeschrieben: Produktentwicklung (Los 1), Betrieb (Los 2) und Migration/Relaunch (Los 3). Die Vergabe erfolgte im Rahmen des deutschen bzw. europäischen Ausschreibungsrechts (Kontext: TED – Tenders Electronic Daily, eVergabe). Das Gesamtvolumen liegt im dreistelligen Millionenbereich über mehrere Jahre – ein erheblicher Open-Source-Invest.

Für Bundesbehörden stehen sogenannte Mandantenentwicklungsoptionen (MEO) zur Verfügung: MEO 1 bedeutet weitgehend standardisierte Nutzung inklusive Hosting, Wartung und Sicherheitsprüfung (u. a. mit Bezug auf Prüfmechanismen im Umfeld des BSI), MEO 2 erlaubt weitergehende Anpassungen, bringt aber mehr Eigenverantwortung mit sich. Darüber hinaus bleibt das DIY-Modell möglich: Distribution herunterladen, selbst betreiben – Open Source eben.

Zielsetzung ist ein „One-for-All“-Ansatz im Sinne übergreifender Standardisierung (Kontext: IT-Planungsrat) statt individueller Neuentwicklung. Gleichzeitig diskutieren wir die Kommunikationsrealität rund um GSB 11: lange Vergabeprozesse, NDA-Sensibilität, vorsichtige öffentliche Aussagen – und die Frage, wie offen sich Open Source im öffentlichen Sektor anfühlen kann und sollte.